Typisches Telefongespräch

Anrufer: Hallo, ist da die MPU Vorbereitung?

Ich: Ja, Sie sind hier genau richtig.

Anrufer: Alsooooo, mir haben sie vor zwei Jahren den Führerschein abgenommen.

Ich: Was ist denn der Grund für den Entzug der Fahrerlaubnis?

Anrufer: Hab gekifft und bin dann gefahren und erwischt worden, brauche meinen Führerschein jetzt ganz schnell wieder.

Ich: Schnell geht jetzt erstmal gar nichts. Wie hoch waren denn die Werte, die bei der Blutprobe festgestellt wurden?

Anrufer: Ähhhm, Moment (raschelt mit Papier), find ich jetzt nicht, aber ich glaube so 10 ungefähr.

Ich: Zehn was? Aktiver THC-Wert oder COOH-Wert, gemessen in Nanogramm?

Anrufer: Hä, wasn das?

Ich: Also der aktive THC-Wert bestimmt, ob man unter Rauschwirkung gefahren ist und der COOH-Wert gibt Erkenntnis darüber, ob die Person gelegentlich konsumiert oder Dauerkonsument ist.

Anrufer: (Papier raschelt wieder), ach so! Also hier steht sowas von 13 THC und 120 COOH.

Ich: Hm, ziemlich hohe Werte. Das bedeutet ein Jahr lang Abstinenztests und dann erst zur MPU. Gehen Sie zur Rechtsmedizin und lassen sich informieren. Sie nehmen dann ein Jahr an einer Testreihe teil und bekommen darüber eine Bescheinigung, die Sie dem MPU-Gutachter vorlegen. Wenn Sie Zeit sparen wollen, können Sie auch für ein halbes Jahr rückwirkend per Haaranalyse Ihre Abstinenz beweisen und machen dann in sechs Monaten eine weitere Analyse. Dann haben Sie ein Jahr zusammen und dabei ein halbes Jahr Zeit gespart.

Anrufer: Das dauert aber viel zu lang.

Ich: Ohne schaffen Sie es aber nicht ein positives Gutachten zu bekommen. Wann haben Sie denn zuletzt gekifft?

Anrufer: Ich glaube, das war vorgestern.

Ich: (och nee) Dann geht das nicht rückwirkend mit Haaranalyse. Dann müssen Sie sechs Mal im Jahr zur Urinanalyse und das dauert dann jetzt halt doppelt so lange. Oder NACH einem halben Jahr zur Haaranalyse und nach einem weiteren halben Jahr nochmal.

Anrufer: Das geht gar nicht, ich brauch den Führerschein JETZT! Das kann doch alles nicht wahr sein.

Ich: Leider ist das aber so. Ihre Werte beweisen ja, dass Ihr Konsum ziemlich intensiv war und da müssen Sie dem Gutachter schon beweisen, dass Sie jetzt clean sind und damit Ihr Verhalten grundlegend geändert haben.

Anrufer: Ich mach das ja jetzt nicht mehr.

Ich: (und was war vorgestern?) Das glaubt der Gutachter nicht ohne die Tests. Der wird ja sowieso dauern belogen, weil die meisten sich nicht ändern, sondern nur den Führerschein zurückhaben wollen. So funktioniert MPU aber nicht!

Anrufer: (Jetzt schon ziemlich sauer). Aber das ist doch alles Willkür, die können sich doch nicht alles erlauben.

Ich: Doch können sie, Sie haben sich ja auch erlaubt, bekifft zu fahren und andere in Gefahr zu bringen.

Anrufer: Sie haben doch keine Ahnung, da habe ich im Internet aber was ganz anderes gelesen.

Ich: Aha, na dann muss es ja stimmen.

Anrufer: Es ist ja gar nichts passiert, ich hab keinen Unfall gebaut und bin gut gefahren. Ich werde Ihnen beweisen, dass es auch einfacher geht. Ich krieg den Führerschein bestimmt auch ohne diese blöden Tests wieder. Der Gutachter wird mir glauben, dass ich das nicht wieder tue. Das hat mir gereicht, es war bis jetzt schon teuer genug und meinen Job als Fahrer hab ich auch verloren. Der Gutachten wird sicher verstehen, dass ich dringend einen Führerschein brauche.

Ich: (gebe auf) Okay, dann viel Glück dabei.
Anrufer: Sie werden es schon sehen. Ich komm dann vorbei und zeig Ihnen meinen Führerschein!!!

Ich denke: Träum weiter!